Aktuelle Handlungsfelder für deutsche Retail Banken

Ein Artikel von Gisbert Beckmann  |  E gisbert.beckmann@procedera.de  |  T +49 308600822-0

Banken müssen mehr investieren: Die Veränderungen für deutsche Banken und Sparkassen sind vielfältig. Vor allem Regulierung und Digitalisierung verlangen nach Investitionen.

Meinung

Die Veränderungen, denen sich die deutschen Banken und Sparkassen derzeit gegenübersehen sind vielfältig. Die anhaltende Niedrigzinsphase drückt auf die Erträge, die zunehmende Regulierungsflut lässt die Kosten steigen und neue Herausforderungen durch die Digitalisierung der Finanzdienstleistung verlangen nach entsprechenden Investitionen.

Dr. Hans Jorg Leichsenring quer

Gleichzeitig versuchen neue Wettbewerber aus dem Technologiebereich, die sogenannten FinTechs den angestammten Instituten Kunden und Erträge streitig zu machen. Ziel dieser jungen und innovativen Unternehmen ist es, neue und alte Produkte und Leistungen im Finanzdienstleistungsbereich über den Vertriebskanal Internet anzubieten. Dabei stehen die Customer Experience und der Kundenbedarf im Vordergrund und eine umfassende mobile Optimierung ist selbstverständlich. Da Bankdienstleistungen weitgehend einer Regulierung unterliegen, arbeiten die Unternehmen entweder mit bestehenden Banken zusammen oder versuchen, wie vor kurzem Number26, selbst eine Banklizenz zu erlangen.

In der Folge besteht die Gefahr, dass traditionelle Zugangswege zu Banken, wie deren Filialen, an Bedeutung verlieren und das über lange Zeit aufgebaute Know-how der etablierten Institute an Bedeutung verliert.

Alte und neue Aufgaben für Kreditinstitute

Die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) hat vor kurzem den deutschen Retail-Banking-Markt untersucht und verschiedene Themenbereiche identifiziert, die Banken und Sparkassen bearbeiten müssen, um in der Erfolgsspur zu bleiben.

So müssten die Institute in ihrer bestehenden Organisations- und Prozess-Struktur vier Bereiche optimieren:

  • Straffung des Filialnetzes und Neudefinition der Inhalte und Funktion der Filialen.
  • Aufbau digitaler Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten entlang der Customer Journey. Banken müssen dabei insbesondere eine echte Omnikanal-Strategie entwickeln um umsetzen.
  • Überprüfung, Überarbeitung und Verschlankung bestehende Prozesse.
  • Hinterfragung interner und externer Leistungen sowie Straffung der Kosten.

Die meisten Banken arbeiten bereits an diesen Themen, vor allem bei den regionalen Instituten ist jedoch noch viel zu tun.

Kosten sparen alleine genügt nicht

Allerdings sind Filialschließungen und Kostensparen alleine nicht ausreichend, um in Zukunft erfolgreich zu sein. Um im härter werdenden Wettbewerb zu bestehen, ist die Erweiterung  bestehender und Erschließung neuer Ertragsquellen notwendig. Dazu sind schnelle und wirksame Innovationen unter Einbezug digitaler Technologien erforderlich.

Konkret identifiziert die Analyse vier Aufgabenfelder für zusätzliche Erträge:

  • Eine konsequentere Überprüfung und Neufestsetzung der Preise für Finanzdienstleistungen, auch, um Anreize für das Kundenverhalten zu setzen. Zahlreiche Institute haben zum Beispiel bereits Ihre Preise für Girokonten in den letzten Monaten angehoben. Kostenlose Angebote wird man bald nur noch bei Direktbanken finden.
  • Das Eingehen neuer Partnerschaftsmodelle, etwa mit FinTech-Unternehmen, Internet-Plattformen, Versicherungen und Payment-Anbietern, um schnell und einfache neue Leistungen und Vertriebskanäle zu integrieren und für die bestehenden Kunden zu erschließen.
  • Eine vermehrte Auswertung und Nutzung vorhandener interner Daten und deren Kombination mit externen Daten zum besseren Verständnis des Kundenbedarfs und zur besseren Ableitung darauf aufbauender individualisierter, personalisierter und bedarfsgerechter Angebote.
  • Eine generelle Erhöhung von Innovationskraft und Geschwindigkeit zur schnelleren Anpassung und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle.

Das Ertragspotential dieser Maßnahmen wird für die gesamte Branche auf 5 bis 10 Mrd. Euro geschätzt. Allerdings haben die Institute bis zu dessen Realisierung noch eine gewaltige Wegstrecke vor sich. Und die Zeit dafür drängt. So warnte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret vor kurzem, dass nicht alle Geldhäuser die nächsten Jahre überstehen werden.

Wie sagte einst Konfuzius: „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt.“

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