Veränderung ist immer!

Ein Artikel von Ilja Grzeskowit  |  E autoren@organisationshandbuch.de  

Auf den Zug des Wandels aufspringen: oder am Bahnhof der Erinnerung zurückbleiben. Vor diesen beiden Alternativen stehen Führungskräfte in der VUCA-Welt. Ilja Grzeskowitz über immer währenden Change.

Am Bahnsteig der Erinnerung

Zugegeben, Banken haben es aktuell nicht leicht. Niedrigzinspolitik, geplante Fusionen, Standortschließungen – und welche Auswirkungen wird der Brexit haben, wenn er denn wirklich eintritt? Der Druck ist enorm, unter diesen Rahmenbedingungen wird es zunehmend schwieriger, stabile Netto-Erträge in ausreichender Höhe zu erwirtschaften. Einfach den Kopf einziehen und abwarten? Das kann und darf keine Lösung sein! Um auch in Zukunft am Markt erfolgreich zu sein, braucht es mutige Führungskräfte, die mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Mitarbeiter mitreißen – um gemeinsam die Zukunft aktiv zu gestalten. Veränderung ist keine Bedrohung, sondern die beste Chance, die Sie haben!

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Veränderung hat keinen Anfang und kein Ende

Es gibt einen Moment, den ich nie vergessen werde. Ich war damals noch Geschäftsführer bei Karstadt – das ist gefühlt eine Ewigkeit her. Ich hatte die Filiale komplett umgekrempelt und es ging endlich wieder aufwärts. Ich war absolut motiviert und in Gedanken bereits bei weiteren Veränderungen. Nicht so einer der Abteilungsleiter. Er sah mich mit hoffnungsvollen Augen und sagte Folgendes: „Okay, Herr Grzeskowitz. Ich sehe es ein. Der Veränderungsprozess der letzten Monate war notwendig. Aber können wir jetzt endlich wieder zur Normalität zurückkehren?“ Ganz ehrlich: Das haut mich heute noch aus den Latschen, wenn ich daran zurückdenke. Und es war beileibe nicht das erste und einzige Mal, dass ich diese Frage gehört habe.

Alle drei bis fünf Jahre ein von oben angeordneter Veränderungsprozess, dazwischen erst mal wieder Normalzustand. So sahen klassische Change-Ansätze in den 70er und 80er Jahren aus. Sorry, aber so funktioniert das nicht mehr. Business as usual ist vorbei! Wir leben in einer höchst volatilen Zeit, alles verändert sich ständig. Change hat heute weder Anfang noch Ende! Disruptive Technologien, die demografische Entwicklung und die digitale Revolution schütteln die Gesellschaft, die Märkte und unseren Alltag heftig durcheinander. Klar ist das erst einmal beängstigend. Doch es hilft nichts, starr vor Angst wie ein Kaninchen vor der Schlange zu sitzen. Es gibt nur zwei Alternativen: Entweder wir verändern uns und springen auf den Zug des Wandels auf – oder bleiben alleine am Bahnsteig der Erinnerung zurück.

„Wann wird es endlich wieder normal?“

Darauf kann es nur eine Antwort geben: „Normal“ im klassischen Sinne wird es nie wieder. Doch wie wäre es, wenn Sie stattdessen die permanente und kontinuierliche Veränderung zum Normalzustand in Ihrem Unternehmen machen? Sicher haben Sie es selbst schon gemerkt: Die Bankenbranche ist im Wandel, langjährige Marktführer haben inzwischen zu kämpfen und die Kunden ticken längst nicht mehr so wie früher. Um nicht von der Wucht des immer schnelleren Wandels überrannt zu werden, ist der Umgang mit Veränderung der entscheidende Schlüssel. Und damit die Bereitschaft, auch mal einen mutigen Schritt ins Ungewisse zu machen.

„Wir haben einen Change-Prozess implementiert, damit unser Neukundengeschäft endlich wieder Aufwind bekommt!“ Das ist schon mal ganz gut, aber zu kurz gedacht. Denn der Umgang mit Veränderung ist schon lange kein Prozess mehr. Change ist viel mehr. Es ist eine Haltung, die Einstellung eines jeden Mitarbeiters. Und sie betrifft die gesamte Firmenkultur, alle müssen an einem Strang ziehen.

Zugegeben – das ist meist das Problem. Anstatt in die Hände zu spucken und loszulegen, wird lieber diskutiert und lamentiert. Dabei spielt es eigentlich überhaupt keine Rolle, ob Sie die aktuelle Entwicklung gut finden oder nicht. Als Führungskraft stehen Sie in der Verantwortung zu handeln. Sonst wird der Laden früher oder später gegen die Wand fahren. „My Aircraft!“ – Kennen Sie diesen Begriff? Damit signalisiert der Pilot in einer Notsituation, dass er die Kontrolle übernimmt. Nehmen Sie sich daran ein Beispiel! Selbst wenn Sie Angst davor haben, eine schlechte Entscheidung für Ihr Unternehmen zu treffen – eine schlechte Entscheidung ist immer noch besser als gar keine.

Veränderung beginnt mit Verantwortung

Wer Change aktiv gestalten und frischen Wind ins eigene Unternehmen bringen will, muss Verantwortung übernehmen. Sicherlich wird Ihnen einiges an Gegenwind ins Gesicht blasen, gerade aus den eigenen Reihen. Denn Veränderung ist nun mal nicht so gemütlich wie Dienst nach Vorschrift. Doch wenn alle darauf warten, dass jemand anders schon etwas tun wird, dann passiert überhaupt nichts und es bleibt beim Stillstand. Und der ist in unserer heutigen Zeit gleichbedeutend mit Rückschritt.

Was hat das jetzt alles mit Ihrer Rolle als Manager zu tun? Einfache Antwort: Alles. Zuerst müssen Sie immer sich selber und Ihr Mindset verändern. Und noch viel wichtiger: Sie müssen den Wandel in Ihrem Team, Ihrer Abteilung und in Ihrem Unternehmen nicht nur bestmöglich vorbereiten, sondern aktiv gestalten. Gerade durch und durch hierarchische Organisationen wie Banken verändern sich nur, wenn die Menschen sich verändern. Und Ihr Job ist es, genau das sicherzustellen. Ein einzelner Mensch kann einen riesigen Unterschied machen. Auch wenn es eine Weile dauern wird, alle Mitarbeiter im positiven Sinne anzustecken. Lassen Sie sich von Rückschlägen nicht entmutigen! Eine Kultur der Veränderung entsteht nicht von heute auf morgen. Wenn Sie aber erst einmal etabliert ist, macht sie den entscheidenden Wettbewerbsvorteil aus.

Das Buch zum Thema

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Ilja Grzeskowitz
Let’s talk about change, baby!
Ein Motivationsmanifest für Unternehmer,
Querdenker und alle, die es werden wollen

184 Seiten; gebunden
ISBN: 978-3-86936-758-3
€ 15,00 (D) | € 15,40 (A)
GABAL Verlag, Offenbach 2017

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