These #1: Banken überleben nur, wenn aus Vorständen Unternehmer werden.

Banken waren schon immer Problemlöser.

Banken sind als Unternehmen in Italien gegründet worden, um die Probleme der Kaufleute mit dem Transportieren von Geld zu lösen. Der unternehmerische Geist von Jakob Fugger hat ihn zum bedeutendsten Bankier des 15. und 16. Jahrhunderts gemacht. Er hat als Erster eine Bank mit Filialen in verschiedenen Ländern aufgebaut. Im 19. Jahrhundert war der Aufstieg der Sparkassen in Deutsch­land ein Beispiel dafür, was wir heute „Social Entrepreneurship“ nennen. Ihre unternehmerische Tätigkeit diente der Lösung sozialer Probleme, wie bspw. einer breiten Bevölkerungsschicht die Möglichkeit zur Geldanlage zu bieten. Und nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Unternehmervorstände es der breiten Masse ermöglicht, durch eine maßgeschneiderte Baufinanzierung das akute Wohnungs­problem in Deutschland zu lösen.

Die aufgeführten Beispiele zeigen das Geheimnis für den enormen Erfolg der Banken in den letzten Jahrhunderten: Gesellschaftliche Probleme lösen, die Kunden verstehen und die Fähigkeit, bei Veränderung der Umgebung die Richtung komplett zu ändern. Das alles gehört zu den Kern­fähigkeiten eines Unternehmers. Es ist sicherlich keine gewagte These, dass die unter­nehmerischen Kompetenzen der Geschäftsleiter der Vergangenheit auch eine zentrale Rolle für den zukünftigen Erfolg oder Misserfolg einer Organisation spielen werden. Aber…

Die großen Veränderungen liegen lange zurück.

Die Bankvorstände von heute sind in einem System groß geworden, in der unternehmerische Fähigkeiten weniger gefragt waren. Dies liegt an der Bankenwelt, die, verglichen mit anderen Branchen, bspw. der Automobilbranche, in den letzten Jahrzehnten relativ statisch geblieben ist. Die letzte große strukturelle Veränderung in der Bank ist auf den Einzug der ersten IT-Installationen in den 1980ern Jahren zurückzuführen. Die Menschen, die diese Projekte durchgeführt haben, sind teilweise nicht mehr in der Bank oder sie kommen nicht mehr mit der Schnelligkeit der aktuellen Entwicklung zurecht. Die letzten Jahre waren geprägt von der Bewältigung regulatorischer Anforderungen. Diese sind in der Summe groß, aber waren wenig mit Fragen der unternehmerischen Entwicklung verknüpft.

Die Vision fehlt.

Jetzt sind wir mitten drin in der rasanten Entwicklung des Internets und der Nutzung von Smartphones. Nicht nur die Filialen, sondern ganze Geschäftsmodelle sind in Frage gestellt. Welcher Vorstand hat wirklich eine Antwort auf die Frage, wie die Bank eine lang anhaltende Niedrigzinsphase wirtschaftlich überlebt? Diese Situation ist gefährlich. Denn vielen Banken fehlt eine Vision mit Anziehungskraft, die sie vor Kunden wie vor Mitarbeitern vertreten können. Die Attraktivität deutschen Banken ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken. Heutzutage gehen die talentiertesten Absolventen lieber woanders hin, wo sie eine überzeugende, sinnhafte Vision finden, an der sie mitgestalten können.

Die Vorstände müssen Unternehmertum lernen. Es ist höchste Zeit, dass sie auf die grundlegend veränderten Bedürfnisse der neuen Generationen reagieren und neue Lösungen aufzeigen. Dass sie eine Vision für ihre Bank entwickeln und diese vor allen Stakeholdern artikulieren. Dass sie wieder eine größere gesellschaftliche Rolle spielen, wie sie es in der Geschichte sehr erfolgreich gemacht haben.

Sonst droht das Aussterben. Wir haben uns in den letzten zwei Jahren mit 168 Bankvorständen aus ganz Deutschland zu diesen Themen ausgetauscht. Unsere Prognose: Höchstens 20% der deutschen Banken überleben. Für alle bleibt die Möglichkeit, schnell mit dem Lernen zu beginnen oder langsam aber sicher zusammen mit ihrer Bank unterzugehen.

junker claudia

Claudia Junker
Geschäftsführerin

E claudia.junker@procedera.de
T +49 30 860 08 22-0

Kompetenzprofil: Eigentümerin der Procedera Consult GmbH in Berlin, langjährige und praktische Erfahrung in der Beratung von Banken sowohl auf der fachlichen als auch auf der unternehmerischen Ebene

Wir rufen Sie gern zurück.

Hinterlassen Sie uns Ihren Namen und Ihre Rufnummer. Wir melden uns umgehend bei Ihnen.

Ich habe die Hinweise zum Datenschutz gelesen und erkläre mich mit Absenden des Formulars mit diesen einverstanden.