These #12: Der Markt hat sich verändert … und Ihre Bank?

Ein Rückblick.

Die Geschichte der Banken ist die Geschichte großer Unternehmer. In einem Umfeld, in dem Kundenerfordernisse, Technologie und regulatorisches Umfeld ständig einem raschen Wechsel unterworfen waren, konnten nur solche unternehmerisch geprägten Vorstände erfolgreich sein. Dies änderte sich in der Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre. Ab dann brauchte das Kreditgewerbe mit der Kundschaft Zinsen nicht mehr auszuhandeln. Staatliche Zinsverordnungen setzten die Gutschriften für jede Einlageform generell fest. Die Habenzinsen waren bei allen Instituten gleich, sie richteten sich ausschließlich nach der vom Sparer gewünschten Kündigungsfrist. In einem solchen Umfeld kam der unternehmerisch denkende Vorstand aus der Mode.

Nach der Aufhebung der Zinsverordnung 1967 und dem damit verbundenen Wegfall sämtlicher Einschränkungen im Marketing- und Vertriebsbereich kam die deutsche Bankenwelt in der freien Marktwirtschaft an. Dies war ein Schlüsselereignis in der deutschen Bankgeschichte, weil die Banken sehr schnell wieder unternehmerisch handeln mussten. Der Wettbewerbsdruck wurde sofort spürbar.

Rasch mussten Marketing- und Vertriebsstrategien erarbeitet und auch schnell umgesetzt werden. Die gesamte Ausbildung der „Banker“ wurde grundlegend verändert. Dies galt auch für die Ausgestaltung einer Filiale. Vor allem mussten sehr schnell viele neue Filialen eröffnet werden. Aus den Beamtentypen, die in einer langweiligen Filiale gesessen und einfach auf die Kunden gewartet hatten, wurden schnell richtige Banker, die auf die Bedürfnisse der einzelnen Kunden reagierten und maßgeschneiderte Lösungen anboten. Die ersten IT-Einrichtungen und das prozessuale Denken spielten eine sehr wichtige Rolle bei der Produktentwicklung, die auf einmal der größte USP der Banken wurde. Damals ist es den Banken gelungen, auf diesen plötzlichen und fundamentalen Wandel angemessen, also unternehmerisch zu reagieren.

Das Leben: Ein Traum.

Das Ergebnis dieser erstklassigen unternehmerischen Aktivitäten waren die goldenen Jahre der deutschen Bankenwelt. Es ging allen Bankengruppen gut und die Institute investierten immer mehr Geld in Ausbildung, IT und Bankorganisation. Die besten jungen Talente fühlten sich angesprochen und die Bank war sehr oft die erste Wahl bei Absolventen. Man konnte sich dort verwirklichen und wirklich etwas bewegen. Kunden bekamen ständig bessere Dienstleistungen und Finanzierungsmöglichkeiten und all das zusammen führte zu einer rasanten Entwicklung der Wirtschaft.

Doch dann änderte sich alles. Die Menschen in der Bank wurden immer satter und immer älter. Die gute Ausgangssituation sorgte dafür, dass man nicht mehr primär an Innovation und Verbesserung der Dienstleistung dachte. Vielmehr verließ man sich darauf, dass die Kunden sowieso keine andere Wahl hatten, wenn doch alle Banken langsam und ineffizient waren. Die Kundensegmente waren verteilt, das Dienstleistungsangebot definiert und die Wettbewerbsintensität nur noch gering.

Die Welt verändert sich stetig.

Und wieder kam alles ganz anders. Die Internetentwicklung in den 90ern ermöglichte die Durchdringung des Marktes für neue Marktteilnehmer. Direktbanken und Bezahldienste wie PayPal gewonnen schnell an Bedeutung, weil sie den Kunden besser verstanden und auf die neuen Bedürfnisse mit schnelleren und besseren Produkten antworten konnten. Die Margen der Banken wurden immer kleiner, weil sich auch die Zinssituation langsam änderte. Die Veränderungen gipfelten dann in der Finanz- und Bankenkrise ab dem Jahr 2007. Dies in Verbindung mit der dauernden Niedrigzinsphase hat inzwischen einen Handlungszwang erzeugt. Diesmal haben die Banken aber leider nicht mehrheitlich unternehmerisch reagiert. Viele Banken verwenden vielmehr ihre ganze Energie darauf, den Status Quo irgendwie zu erhalten.

So wenig, wie sich 1967 die Veränderungen „aussitzen“ ließen, so wenig kann dies 2018 funktionieren. Auch jetzt ist wieder eine unternehmerische Anstrengung notwendig. Wie die Jahre nach 1967 zeigten, ist eine solche unternehmerische Offensive möglich, obwohl bspw. die talentiertesten IT-Entwickler nicht mehr in den Banken, sondern bei Amazon, Siemens und PayPal oder aber bei den Automobilherstellern arbeiten, die die technische Herausforderungen der neuen Zeit besser verstehen.

Die aktuellen Herausforderungen der Gegenwart müssen von den Leuten gemeistert werden, die jetzt in den Banken arbeiten. Die Vergangenheit hat bewiesen, dass auch nach Jahren der Stagnation unternehmerische Aufbrüche möglich sind. Ob ein solcher Aufbruch erfolgt, oder ob die Stagnation weiter geht, ist nicht das Ergebnis einer mathematischen Gleichung, sondern eine Entscheidung der heute verantwortlichen Vorstände. Wollen Sie sich mit dem Markt ändern?

junker claudia

Claudia Junker
Geschäftsführerin

E claudia.junker@procedera.de
T +49 30 860 08 22-0

Kompetenzprofil: Eigentümerin der Procedera Consult GmbH in Berlin, langjährige und praktische Erfahrung in der Beratung von Banken sowohl auf der fachlichen als auch auf der unternehmerischen Ebene

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